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Saul Ascher

Die Germanomanie

Skizze zu einem Zeitgemälde

(1815)

Wer länger schon als ein Vierteljahrhundert, und vollends um eine solche Zeit wie die des letzten, in der Ideenwelt gelebt oder wer das Treiben und Handeln der denkenden Köpfe von Ausbruch der Französischen Revolution an bis jetzt zu beobachten Gelegenheit hatte, dem wird endlich das Resultat werden: daß auch in dieser Region der Liebe zum Wahren und Vortrefflichen ein gewisser, in der Natur angeordneter Kreislauf sich erhärtet.

Wohnungen Werfen wir nun einen Blick auf den Ideengang, der den Menschen über die wichtigsten Angelegenheiten ihres physischen und intellektuellen Seins während des letzten Vierteljahrhunderts geworden, so dürften wir finden, daß sie diejenigen Anordnungen, welche von Ewigkeit her in ihrer Mitte bestanden und die eine Folge ihrer körperlichen und geistigen Organisation sind, welche das begründen, was wir Wissenschaft, Kunst und Sittlichkeit nennen, die drei Pfeiler der in der Idee begründeten Menschheit daß sie dies alles mit Betriebsamkeit und Aufopferung auszubilden, zu läutern und zu reorganisieren suchten.

Der befangene Beobachter oder derjenige, dem die Grundprinzipien der Welt sich bloß nach den vormals bestandenen oder zu seiner Zeit bestehenden Formen darstellen, sah in der Rotation, in dem Wogen der verschiedenen Grundstoffe des menschlichen Seins und in dem Kampf zwischen Vernichtung und Dasein, der sich seit fünfundzwanzig Jahren in dem Gebiet der Religion, der Politik und der Wissenschaft, als den drei Repräsentanten der im Menschen liegenden Prinzipien seiner Intellektuellität, vor unsern Augen entfaltete, den Untergang aller Sittlichkeit, alles Staatenvereins und aller Geistesbildung.

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Anders sah aber der denkende Kopf, der in dem Gang der Erscheinungen dieser Welt einen allgemeinen gesetzmäßigen Lauf der Dinge ahnt und solchen darin aufzusuchen sich bestrebt, anders sieht und folgert er. Es ging und geht aus dem sich angehäuften Chaos eine verjüngte Form von allen Grundfesten des menschlichen und bürgerlichen Daseins hervor. Wir haben nun beinahe wieder einen von denjenigen Kreisen durchlaufen, die der Menschheit zum Fortschritt ihrer Vollkommenheit vorgezeichnet sind, wir stehen wieder auf dem Punkt, von welchem vor ungefähr fünfundzwanzig Jahren die Menschheit ausgegangen und exzentrisch sich fortbewegte. Wir haben die Anwartschaft, Religion, Staatsverfassung und Wissenschaft ganz nach den bisher bestandenen Zwecken in dem Kreise der Menschheit fortleben zu sehen wie vormals; aber verfeinert, bereichert mit den mancherlei Erfahrungen, Ansichten und idealen Empfindungen, die das menschliche Gemüt in dem Drängen und Treiben der Nationen und der revolutionären und exzentrischen Köpfe sich eigen zu machen Gelegenheit fand. Die Menschheit gleicht jetzt dem Ulysses, der nach mancherlei Wanderungen in die Heimat zurückkehrt; wie er, erscheint sie erschöpft und armseligen Ansehens. Indes laßt sie nur sich erholen; sie wird nicht athletisch, aber besonnen und gewandt die Kräfte handhaben, die ihr zu Gebote stehen.

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Es darf nicht befremden, wenn in diesem fieberhaften Zustande, in welchem die Menschheit ein Vierteljahrhundert vegetierte, denkende Köpfe, vorzüglich in Deutschland, wo bisher immer mehr gedacht als gehandelt worden, in dem chaotischen Zustand der Dinge bald das Heil der Welt erblickten, bald aber wieder den Untergang der Weltordnung ahneten. Sie sahen in dem Gange der Begebenheiten nicht einen Prozeß, den die Natur mit dem menschlichen Gemüt vornimmt, um es zu steigern für die Fortschritte, die der Mensch in technischer und sinnlicher Hinsicht gemacht, oder es zu verfeinern. Nein! Sie wollten eine neue Ordnung der Dinge oder einen förmlich reinen intellektuellen Zustand dem Menschen bereitet sehen.

Es sollten Religion, Regierung und Gesetzgebung, in Hinsicht ihrer positiven Seite, ganz aufgegeben werden; man wollte nur Naturreligion, Republik und gleiche Rechte im Kreise der Menschheit verpflanzt wissen. Für dieses Experiment, das der Fortgang der Französischen Revolution nur möglich machte, stimmten alle die denkenden Köpfe in Deutschland, die seit einem Zeitraum von zwanzig Jahren in der intellektuellen Welt die Richtung der Geister betrieben, dahin tendierten die transzendentalen Idealisten, die Anhänger des Identitätssystems und ein Heer Afterund Nebendenker, die, wie Trabanten und Nebelsterne, die großen Lichter arn Horizont der Geisterwelt zu urnschwärrnen pflegen.

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Die meisten von diesen noch lebenden Anhängern der neuen Schule, als Buchholz, Arndt etc., wollen es jetzt nicht mehr wissen, daß sie als lebhafte Anhänger der Grundsätze und Ideen sich proklamierten, welche durch die Revolution in Frankreich unter den Nationen verbreitet wurden. Eitle Scham! Wer wird ihnen dieses zurechnen. Jene Grundsätze und Ideen hatten eine hohe Idealität, und Idealismus für Wissenschaft und Kunst war der Stein der Weisen, den die philosophischen Adepte an den Mann zu bringen suchten.

Zum zweiten Teil - Kreditkarte