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Die Anhänger dieser Lehre fanden freilich hin und wieder ihre Gegner an den echten, unbefangenen Denkern Deutschlands und wahren Protestanten, indes sie hatten doch ein ganzes Heer von jungen Männern durch ihre enthusiastische Denkart elektrisiert, und so konnten sie ungestört mehrere Mittel ausbilden, ihren Zweck zu erreichen.

Es darf nicht befremden, daß nach den Ansichten dieser enthusiastischen Idealisten, wodurch Deutschheit und Christentum so verquickt werden sollten, daß eines das andere auszuschließen nicht vermögend war, von ihnen vorzüglich in den Juden ein Gegensatz dieser Lehre vorgefunden ward, und daraus läßt sich denn erklären der rohe und abschreckende Ton, in welchem am Ende des achtzehnten Jahrhunderts von Fichte, einem der ersten Restauratoren der neuen Lehre, an bis herab auf seine Schüler und Verehrer gegen Judentum und Juden losgestürmt ward.

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Die Anfälle sind gefährlicher und nachdrücklicher, da sie eine potenzierte Quelle haben. Die Juden, heißt es, sind weder Deutsche noch Christen, folglich können sie nie Deutsche werden. Sie sind als Juden der Deutschheit entgegengesetzt, folglich dürfen sie die Christen nicht als ihresgleichen aufnehmen und können sie unter ihnen höchstens mit der Einschränkung geduldet werden, daß man überzeugt sei, sie treten der Deutschheit nicht in den Weg.

Diese Grundsätze verbreitete ein unter dem Namen deutsche christliche Gesellschaft im nördlichen Deutschland sich gebildeter Verein in dem Zeitraum, wo Deutschland dem ganzen Druck des gallischen Despotismus erlag. Er proklamierte seine Grundsätze in Broschüren und Pamphlets, die er mitunter mit hieroglyphischen Deutungen ausgabIch erwähne hier nur einer Broschüre der Art, die mir zu Gesicht gekommen. Sie führt den Titel: "Der Philister vor, in und nach der Geschichte...", und er scheint innig verwandt und in Einverständnis mit dem sogenannten deutschen Tugendbund gewesen zu sein, über den Herr Schmalz und mehrere Männer von wahrem deutschen Sinn kürzlich so mancherlei zur Sprache gebracht.

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Man muß die Menge, um auch sie für eine Ansicht oder Lehre einzunehmen, zu begeistern suchen; um das Feuer der Begeisterung zu erhalten, muß Brennstoff gesammelt werden, und in dem Häuflein Juden wollten unsere Germanomanen das erste Bündel Reiser zur Verbreitung der Flamme des Fanatismus hinlegen.

Der Fanatismus kennt aber keine Grenzen. Er blieb bei der Idee, die Juden seine Geißel fühlen zu lassen, nicht stehen. Kaum war Frankreichs Despotismus gebrochen, so gingen unsere Germanomanen noch weiter. Arndt, Jahn etc. und mehrere Nachbeter derselben wollten nun schon keinen Franzosen mehr in Deutschlands Gauen dulden, sogar die Sprache der Franzosen sollte aus Deutschlands Marken verbannt sein, und bei Verfolgung der fixen Idee der Germanomanie: alles Fremdartige von Deutschlands Boden entfernt zu sehen, geht endlich der lauteste Germanomane der jetzigen Zeit in seiner neuesten Broschüre so weit, auch gegen England, das von den Germanomanen mit Huld bisher behandelte England, eine vollständige Philippika abzuhalten."Über Preußens Marken und deutsche Bundes-Festungen am Rhein".

Wer wird und muß es nicht dem deutschen Gemüt für eine hohe Tugend anrechnen, seine Selbständigkeit und Eigenheit von der Willkür einer ändern selbständig sein wollenden Nation zu befreien? Wer wird es dem Deutschen verdenken, wenn er heute gegen die Tyrannei des Franzmanns, morgen gegen die des Engländers und endlich so gegen die Tyrannei einer jeden fremden Willkür sich erhebt, und das mit der Kraft, die des deutschen Volkes Erbe ist? Aber die Hebel, welche der intellektuelle Teil deutscher Nation seit kurzem aufbietet, um diese Kraft in Bewegung zu setzen, dies wird jeder Unbefangene einräumen, waren nicht von der Art, daß sie eine kräftige und biedere Nation ehren sollten.

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Beleuchten wir ein wenig näher die Hebel, welche unsere Germanomanen ansetzten, so finden wir zuerst, daß die Christusreligion als Erbteil der Väter in hohe Protektion von ihnen genommen ward, und um darin ein heroisches Mittel für das protestantische Gemüt zu besitzen, ward von denen protestantischen Denkern, die an der Germanomanie kränkelten, der Katholizismus in bedeutender Dosis darin verwendet. Frömmelei, abenteuerliche Bilder, affektierte Anhänglichkeit an dogmatische Formen und Geheimnisse waren die Maschinen, welche mit allem Nachdruck die schöne Richtung, in welcher Zollikofer, Spalding und Teller die christliche Religiosität erhielten, verdrängten. Jene Besonnenheit und Lauterkeit, welche das protestantische Deutschland selbst in den religiösen Ideen begründet hatte, wurden mit der Kraft eines begeisterten Fanatismus von unsern katholisierenden Denkern bestürmt und gehöhnt. Der Erfolg davon war, daß in dem Gebiet der Kunst und der Philosophie sich ein exzentrischer Geist verbreitete, der die Denker und Dichter, welche Deutschlands Kultur im achtzehnten Jahrhundert auf eine hohe Stufe der Bildung emporgehoben, für flache, bodenlose Wesen erklärte. So ward in Deutschland der Keim zu einer Denkart und einer Literatur gelegt, für die von den Fichten, Schlegeln, Wernern, Müllern etc. und einem ganzen Heere ihnen zu Gebot stehender junger Männer, im nördlichen Deutschland mit dem glücklichsten Erfolg, ein hoher Grad von Empfänglichkeit aufgeregt ward. Nachdem man in geistiger Hinsicht einen Gegensatz gegen fremde oder gallische Tyrannei glücklich begründet zu haben wähnte, wollte man auch einen irdischen Gegensatz aufstellen, und es ward nun die Deutschheit kräftig und nachdrücklich empfohlen. Um beim Volke Empfänglichkeit dafür zu finden, wurden Äußerungen vorgebracht, die Grundsätze verrieten, welche dem Geist der Zeit entgegenzuarbeiten vermögend sind. Deutschland, hieß es, ist vor uralten Zeiten einem Volk anheimgefallen, das sich in Hinsicht des Charakters, der Denkart, der Sprache und der Sitte von allen ändern Nationen unterscheidet. Diese Individualität, die im Laufe der Zeit und durch den Gang der Begebenheiten zerrüttet worden, wiederherzustellen und zu erhalten ist der Beruf eines jeden echten Deutschen. Hierzu ist nun die erste Bedingung, alles Fremde, von außen her Eingewanderte von Deutschlands Gauen zu entfernen und Deutschland gleichsam für einen geschlossenen Staat zu erklären.

So waren also Religion und Vaterland, diese beiden Ideen, welche in den Staaten des Altertums die herrschenden Prinzipien ausmachten und deren Stärke und Festigkeit begründeten, in der neuem Zeit von den Germanomanen als die lichten Punkte aufgestellt und empfohlen worden, um Deutschland wieder zu Kraft und Ansehen zu bringen. Die Fortschritte, die der menschliche Geist in Hinsicht seiner Denkart über Religion, Nationalität und bürgerliche Verfassung gemacht, waren keinesweges berücksichtigt, vielmehr sollte in Deutschland wieder der Zeitgeist des Mittelalters aufleben, wo der Pfaffengeist seine Macht zu üben und das Feudalrecht sein Haupt emporzuheben vermochten.

Diese Absicht ward von mehreren Germanomanen ziemlich klar schon angedeutet. Zum wenigsten verfehlte Herr Adam MüllerIn seinem Werke: "Die Elemente der Staatswirtschaft". nicht, dem Mittelalter eine kräftige Lobrede zu halten und es in Hinsicht seiner Vortrefflichkeit dem unsrigen zum Muster aufzustellen, so wie mehrere Germanomanen zur Beförderung echt deutscher Gesinnung nicht allein die Verbreitung des Katholizismus als den kräftigsten Hebel empfahlen, sondern auch durch den Übergang zu demselben die Aufrichtigkeit ihrer Gesinnung erhärteten.

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Unglaublich wirkte diese Tendenz der Germanomanen zum Katholizismus auf den großen Haufen der Afterdenker und Schwachköpfe. Dies geht ganz natürlich zu. Der Katholizismus, wie er von den Germanomanen gehegt und gepflegt wird, hat mehr Intensität als der in den katholischen Landen herrschende. Es zeigt sich in den Gesinnungen der Germanomanen über die geheimnisvollen Lehren des Christentums eine Salbung, ein Mystizismus, der sich bei dem wahren Katholiken in dem Grade nicht äußert. Dem kalten und unparteiischen Beobachter wird es daher nicht entgangen sein, daß der Protestantismus, der, wie das Wort gleichsam es andeutet, dem Katholizismus entgegenstehen sollte, von den bedeutendsten Germanomanen mit der ihnen eignen Innigkeit und Herzlichkeit so umstrickt wird, die ihn eigentlich von seinem wahren Geist entfremdet und ihn gleichsam dem alleinseligmachenden Glauben unterordnet. Man könnte den mystischen Geist, der jetzt in dem protestantischen Deutschland in Hinsicht des Christentums sich so lebhaft regt, füglich den idealen Katholizismus, im Gegensatz des realen Katholizismus, der im katholischen Deutschland dominiert, nennen.

zweiter Teil