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Während nun in Deutschland mancherlei aufgeboten ward, um eine revolutionäre Denkart geltend zu machen, sähe man in Frankreich durch sie den schrecklichsten Zustand herbeigeführt. Die positive Religion ward dort nicht durch Religion, sondern durch Freigeisterei verdrängt; die verjährten Regierungsrechte wurden angetastet, endlich über den Haufen geworfen und nicht durch feste Grundsätze des Staatsrechts, sondern durch einen immerwährenden Wechsel demagogischer Gewalt und tyrannischer Willkür ersetzt, und die positive Gesetzgebung, gefährdet und hintenangesetzt, mußte einer frechen Handhabung des Eigentumsrechts weichen.

Die Folge war nun, daß das Resultat der Revolution, welche in Frankreich wütete, sich über die dasselbe umgebenden Länder verbreitete. Die Macht, alles nach den neuen Ansichten zu konstituieren, verblieb bloß in den Händen der Franzosen. Sie waren es, die den Meister spielten, und es geschah daher nichts fürs Heil der Menschheit, sondern fürs Heil der Franzosen.

Indes der allmähliche Verfall des Republikanismus in Frankreich, die Wiederherstellung der alten Ordnung durch allmähliche Einführung eines Oberhaupts und der Mißbrauch, den dieses Oberhaupt durch seine Übermacht von seinem Einfluß auf die Völker, vorzüglich die Deutschen, machte, reizte das Ehrgefühl der idealen Politiker in Deutschland auf. Sie wollten sich von dem Oberhaupt Frankreichs nicht in dem Grade wie von den republikanischen Grundsätzen dominieren lassen, und so entwickelte sich denn jene Idee der Deutschheit bei ihnen, die dahin tendierte, daß alle diejenigen Ideen, die für den ganzen Kreis der Menschheit in dem Idealismus ihre Anwendung erhalten, durch jene bestimmte Richtung ihres Gemüts ihre bestimmte Anwendung bloß für die Deutschen erhalten sollten.

Die höchsten Interessen der menschlichen Natur, Religion, Vaterland, Recht, erwarben in dem Gemüt der deutschen Denker nunmehr ein eigenes Gepräge, das sich durch eine Gemütsäußerung aussprach, die man füglich Germanomanie benennen könnte.

Die fixe Tendenz oder das einzige Bestreben der Germanomanen war und ist es noch, in der Deutschheit gegen die Gallomanie ein Gegengewicht zu erlangen. In dieser Hinsicht wurden nun alle Hebel aufgeboten, den denkenden Teil Deutschlands für die Idee von Deutschheit empfänglich zu machen, als das einzige Mittel, gegen das Joch der gallischen Tyrannei sich zu waffnen, um es endlich durch beharrlichen Widerstand ganz abschütteln zu können.

Die Hauptwirkung, die man sich von der aufgeregten Idee der Deutschheit versprach, war nun, daß die deutschsprechende Nation, welche der Lauf der Begebenheiten gleichsani aufgelöst hatte und die in einer wahren Entzweiung lebte, wodurch es einzig und allein den Ausländern gelang, ihren Einfluß zu behaupten, unter einen Hut gebracht und zum gemeinsamen Streben für ihre Freiheit und Selbständigkeit aufgeregt werden sollte.

Das größte Hindernis, diese Einheit zu bewirken, lag aber in dem religiösen Zwiespalt Deutschlands, in dem Antagonismus der Katholiken und Protestanten. Dies zu beseitigen, ward nun von unsern idealistischen Denkern das protestantische Christentum zu einer Idealität gesteigert, die es der Richtung des Katholizismus näher brachte, und so bemerkte man unter den denkenden Köpfen des protestantischen Deutschlands allmählich eine religiöse Geistesrichtung, die gleichsam dem Katholizismus huldigte. Philosophen, Dichter, Künstler und Politiker sprachen, schrieben und stellten dar in einer in Nimbus der Legendenheiligkeit gehüllten Stimmung, und die Begeisterung für diese Stimmung gedieh schon so weit, daß der Katholizismus in mehreren Anhängern an dieselbe laute Bekenner und Proselyten erhielt.

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Nichts war natürlicher, als daß bei diesem verblendeten und warmen Enthusiasmus für jenes gesteigerte Christentum gegen jede religiöse Denkart anderer Weise eine befangene Gesinnung sich entwickeln mußte. Die Denkart des Philosophen, der liberalen Konfessionen des Christentums und die der Juden ward als Hindernis für den Fortschritt des gesteigerten Christentums betrachtet, und natürlich war dann immer eine von diesen Denkarten das Stichblatt unserer intellektuellen Tonangeber und Identitätsphilosophen, die sich nun deutsche Philosophen oder Christen nannten.

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Christentum und Deutschheit war bald in eines verschmolzen; dies ist für den transzendentalen Idealisten und Identitätsphilosophen ein leichter Prozeß. Es ward so von ihnen gefolgert. Deutschlands Rettung von dem Joche der fremden Tyrannei kann nur vorbereitet werden durch Einheit und Einigkeit des Volkes in der Idee. Die Einheit und Einigkeit in der Religion spricht dies Erfordernis ganz aus; dies soll nun durch den zum Katholizismus gesteigerten Protestantismus hergestellt werden, und so bestand daher für diese Denker ein deutsches Christentum oder eine christliche Deutschheit, die sie zu gründen und zu verbreiten sich vorsetzten.

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